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Bildnachweis: INJU

Wer ist Peter Kowalsky?

Braumeister,
Öko-Pionier,
INJU-Gründer
Interview

Wer ist Peter Kowalsky?

Braumeister, Öko-Pionier, INJU-Gründer
Interview

Peter Kowalsky ist Braumeister und Unternehmer. In Berlin produziert er die INJU Natural Cell Tonics von Hand und schickt sie gemeinsam mit seinem Team in die Welt.

Getränkepionier ist Peter schon länger: In der eigenen Brauerei entwickelte seine Familie das Erfrischungsgetränk Bionade. Das gleichnamige Unternehmen sowie dessen Bereiche Marketing, Vertrieb, PR und nachhaltige Entwicklung leitete er bis zum Unternehmensverkauf im Jahr 2012.

Im Interview erzählt er, wie die Bionade-Geschichte den Weg für INJU ebnete.

Peter, du bist der, der INJU produziert, hast außerdem die längste Unternehmenserfahrung von allen, die hier arbeiten. Und dadurch, dass man dich als Bionade-Gründer kennt, bist du auch noch das größte INJU-Testimonial. Alchemist, Kaufmann, Werbegesicht – was bist du eigentlich?!

Eigentlich bin ich ein mit Gummistiefeln und zwei kräftigen Händen bewaffneter Bierbrauer – das ist das, was ich gelernt habe, und was mir heute noch am meisten Spaß macht: wenn ich im INJU-Labor mit den ganzen Töpfen und Kesseln zugange sein kann.
Als Braumeister musste ich mich aber auch schon immer mit allem drum herum beschäftigen: Was stecke ich in die Erde, wie wird das geerntet, wie wird das verarbeitet und verbraut, welche Maschinen brauche ich dafür, und wie sehen eigentlich Buchhaltung, Rechnungswesen usw. aus.
Das vereinfacht, Gesamtzusammenhänge zu erkennen, was ich für sehr wichtig halte, in einer Gesellschaft, in der alles immer spezialisierter wird. Daher bin ich sehr froh, von der Produktentwicklung über den Verkauf bis zur Softwareumstellung im Unternehmen schon alles selbst mitgemacht zu haben.

Ziemlich viel mitgemacht hast du bei Bionade – und auch das ist eine Braumeistergeschichte…

Ja, am Ausgangspunkt von Bionade stand das Problem, dass sich die kleine familiengeführte Brauerei meiner Eltern nicht mehr getragen hat. Meine Mutter hat also nach einem zukunftsfähigen Geschäftsmodell gesucht, mit dem das Unternehmen erhalten werden konnte.
Mit der Idee, eine fermentierte Limonade herzustellen, wollten wir zwei Fliegen mit einer Klatsche schlagen: Erstens wollten wir ein gesundes, biologisch hergestelltes Kindergetränk machen, als Alternative zu den herkömmlichen Limos, die immer künstlicher und süßer wurden.
Der zweite Gedanke hinter der Fermentation war, etwas zu machen, was mit den Apparaten, dem Wissen und den technischen Möglichkeiten einer Brauerei umgesetzt werden konnte. Das sollte uns auch dagegen absichern, dass das Konzept von konventionellen Limonadeherstellern übernommen wird.

Gesagt, getan?

Das Produktkonzept war relativ schnell fertig. Das Problem war die Praxis.
Denn die Mikroorganismen, die man für die Fermentation braucht, sind freie Lebewesen und haben leider die unschöne Eigenart, zu machen, was sie wollen… Meine Aufgabe war, die aus dem Labor zu holen, in die Produktionskette reinzubringen, und alle drei Stunden zu überprüfen, ob es noch so riecht, wie es soll. Und am dritten Tag hat es jedes Mal nach Vergärung gerochen und das wollten wir ja gerade nicht. Mein Job war also sieben Jahre lang: Ansetzen, warten, riechen und feststellen: Scheiße, jetzt gärt’s wieder.

Habt ihr da gezweifelt?

Ziemlich oft, ja. Insgesamt hat allein die Produktentwicklung zehn frustrierende Jahre gedauert.
Das Ergebnis war immer: Es geht nicht. Auch viele unserer Mitarbeiter haben gesagt, wenn jemand zehn Jahre etwas macht, was augenscheinlich nicht funktioniert, dann sind die einfach irre! Da geh’ ich lieber zu Leuten, die nicht so irre sind. Die Einzigen, die am Ende daran geglaubt haben, waren wir selber.

Wie geht das? Wie kann man zehn Jahre etwas machen, was keiner will?

Das hat was mit fränkischer Sturheit zu tun. Und damit, dass eine Familie keine Demokratie ist, sondern meine Mutter gesagt hat, wir machen das jetzt, und wer geht, ist draußen. Da wurde nicht in Frage gestellt – wer am Regenten gezweifelt hat, ist sofort hingerichtet worden.
Außerdem haben wir uns auf unser Wissen als Braumeister verlassen, dass das funktionieren kann. Wobei das im Nachhinein sehr schwer zu erklären ist – die Leute verlieren ja schon die Nerven, wenn etwas nach einem Jahr nicht funktioniert.

„Schon von vornherein
zu wissen, was rauskommt,
entspricht überhaupt nicht
meinem Verständnis.“

„Schon von vornherein
zu wissen, was rauskommt,
entspricht überhaupt nicht
meinem Verständnis.“

Bildnachweis: INJU

Bildnachweis: INJU

Wart ihr überrascht, als es irgendwann doch geklappt hat?

Ja, schon – nach so langer Zeit geht man von vornherein davon aus, dass es wieder nicht hinhaut. Das ging so bis zum Tag meines Diploms. Da hat mein Bruder, ohne dass ich etwas davon wusste, in der Disco, die wir hatten, eine Feier organisiert. Was eine Sensation war, weil’s das bei uns eigentlich nicht gab, den Abschluss zu feiern – der Druck war viel zu hoch. Aber ausnahmsweise haben wir bis sechs Uhr gefeiert – und um halb sieben hat meine Mutter angerufen und gesagt, Peter, du musst einen neuen Ansatz machen, er ist wieder gekippt. Also bin ich hin, hab alles so gemacht wie vorher auch – und seitdem läuft die Fermentation von Bionade, und keiner weiß wieso. Bis heute: Wir haben uns auch gehütet, das je wieder anzuhalten.

Diplome helfen also doch 😉 !

Ich glaube eher, dass eine gewisse Restalkoholdesinfektionsaura uns alle gerettet hat!
Jedenfalls habe ich daraus gelernt: Es kommt immer anders als man denkt. Schon von Vornherein zu wissen, was rauskommt, entspricht überhaupt nicht meinem Verständnis und meiner Erfahrung. Wir wussten alle nicht, warum’s geklappt hat – es hat aber, und zwar zu einem Moment, zu dem überhaupt niemand damit gerechnet hat.

Ist das auch etwas, was Risikobereitschaft erhält?

Ja, absolut. Weil es die Sicht verändert, mit der man Dinge betrachtet. Es gibt einem eine Haltung, dass schon was dabei herauskommt, wenn man lang genug bei einer Sache bleibt.

Und wie ging’s dann weiter?

Dann hatten wir plötzlich viel mehr Freizeit, aber folgendes Dilemma: Wir haben gedacht, dass die Produktentwicklung die größte Schwierigkeit war. Wir waren überzeugt davon, dass wir Bionade den Leuten nur noch anbieten müssen und die uns das aus den Händen reißen und wir steinreich werden. Und das war die nächste Enttäuschung: Für uns war das größte Problem gelöst, aber alle, denen wir voller Stolz das Produkt gezeigt haben, haben gesagt, danke, das können wir nicht gebrauchen, das schmeckt uns nicht. Der Fermentationsgeschmack ist ja ziemlich gewöhnungsbedürftig –Kimchi, Kombucha, Federweißer mag auch nicht jeder.
Das war dann schon niederschmetternd, dass nach zehn Jahren einfach das ganze Produkt abgelehnt wird. Wir haben aber nicht aufgegeben – denn jetzt hatten wir’s ja! Außerdem waren wir finanziell so in die Enge getrieben, dass wir nach vorne arbeiten mussten. Die Alternative wäre die Insolvenz gewesen und das wollten wir schon gar nicht.

Wie lange musstet ihr dann durchhalten?

Ab dem Zeitpunkt hat es nochmal zehn Jahre gedauert, bis es den Erfolg hatte, mit dem die Leute heute Bionade verbinden. Zuerst haben wir wie geplant versucht, sie als gesunde Kinderlimonade auf den Markt zu bringen: Noch etwas, was überhaupt nicht geklappt hat.
Einer von unseren Händlern hat aber, ohne dass wir das wussten, Bionade in Studentencafés in Bremen und Hamburg angeboten. Weil er’s halt hatte, irgendwer musste es ja trinken.
Das ist interessanterweise gelaufen. Dort haben sie den Geschmack nicht abgelehnt, sondern Bionade als hippes, neues, total interessantes Getränk wahrgenommen. Wir selbst haben erst nach vielen Monaten registriert, dass die Zielgruppe gar nicht Kinder sind, sondern Studenten, Werber und Kreative.
Was uns wieder total schockiert hat. Wir wollten kein hippes Getränk sein, sondern ein gesundheitsförderndes, traditionelles, stockkonservatives Brauereiprodukt. Die Basis für eine nachhaltige Unternehmensfortführung ist ja, dass etwas auch ohne Trend funktioniert. Dass wir mit Bionade selbst einen ganzen Trend auslösen, das konnten wir uns gar nicht vorstellen.
Und so wie wir nicht verstanden haben, dass Bionade ein hippes Trendgetränk sein soll, hat uns auch bis heute niemand verstanden: Dass Bionade ein gesundheitsförderndes Kindergetränk ist, weiß keiner!

Bildnachweis: Philine von Sell

„Wir wollten kein hippes Getränk sein, sondern ein gesundheitsförderndes, traditionelles, stockkonservatives Brauereiprodukt.“

Bildnachweis: Philine von Sell

„Wir wollten kein hippes Getränk
sein, sondern ein gesundheitsförderndes,
traditionelles, stockkonservatives Brauereiprodukt.“

Was auch niemand verstanden hat, war, warum Bionade dann plötzlich nicht mehr in Familienhand war…

Wir haben bei Bionade auch Fehler gemacht, sind immer wieder in Situationen gekommen, wo uns das Geld ausgegangen ist, und dadurch in eine Abhängigkeit von Investoren hineingeraten. Und dummerweise ist ausgerechnet auf dem Zenith von Bionade ein Mitgesellschafter in finanzielle Schieflage gekommen. Die Bank hat seine Anteile an einen Großkonzern verkauft, mit dem wir uns dann plötzlich arrangieren mussten. Das hat auf einer kulturellen Ebene überhaupt nicht funktioniert: Ein Konzern will Planung, Sicherheit, Vorhersehbarkeit, Kontrolle, und wir wollten innovativ, frech, unkontrolliert sein. Und das ist nie richtig zusammengekommen, sodass wir uns nach drei Jahren, die wir das zusammen versucht haben, trennen mussten. Für den Großkonzern kam aber überhaupt nicht in Frage, seine Anteile aufzugeben, und dagegen sind wir nicht angekommen. Also mussten wir unsere Anteile hergegeben, obwohl wir eigentlich nie verkaufen wollten.

Auch eine traurige Geschichte, so lange auf etwas hinzuarbeiten und dann kurz nach dem Zenith aufgeben zu müssen.

Das stimmt, andererseits hätte es INJU ohne diese Geschichte nie gegeben. Daher sehe ich das auch als Ausbildung und wertvolle Erfahrung.

Gutes Stichwort: Wie kam es zu deinem neuen Unternehmen?

Mit der Bionade-Erfahrung im Gepäck hatte ich die Gelegenheit, jemanden kennen zu lernen, der ein Produkt hatte, das mit natürlichen Stoffen im Körper eine positive und sinnvolle Wirkung erzeugt. Bei Bionade haben die Rohstoffe und Anbauprojekte etwas Positives in die Gesellschaft gebracht hat. Dass INJU zusätzlich dazu einen positiven Impact im Körper der Konsumenten hat, fand ich total faszinierend.
Natürlich auch, weil alle Produkte, die eine Wirkung haben, extrem groß sind: Alkohol, Koffein, Kaffee, Cola sind riesig, weil die Konsumenten die Wirkung interessant finden. Mit INJU und dessen Wirkkonzept hatte ich die Möglichkeit, in dem Bereich was ganz Neues zu machen: eine Alternative zu konventionellen Energy-Drinks zu kreieren. Etwas, das dich nicht noch mehr pusht, durch eine nie gesehene Frucht vom Amazonas, die in fünf Tagen achtunddreißig Kilo Gewichtsverlust erzeugt, dich also langfristig noch mehr auslaugt, sondern etwas, das dich versorgt und dadurch Energie gibt.
Das treibt mich auch persönlich an, weil die Erfahrung von Bionade auch die ist, dass man am besten durch Krisen kommt, wenn man Stärke und Selbstvertrauen hat und dadurch Zuversicht ausstrahlen kann.

Aber die gesellschaftliche Transformation spielt immer noch eine Rolle?

Klar. Das mache ich heute mit Luise [Tremel] zusammen, die Veränderung auf sozialer Ebene denkt. Das ist eine tolle Verbindung, dass wir mit einem Produkt, das im Körper wirkt, auch eine Veränderung in der Gesellschaft unterstützen können.
Ich glaube fest daran, dass Unternehmen dabei eine große Rolle spielen, dadurch, wie sie ihre Produkte machen und wofür. Indem sie etwas herstellen, mit dem man sich auf bestimmte Weise identifiziert. Auch das habe ich bei Bionade gelernt: Bionade zu trinken, war ein Statement: Wir wollen anders mit uns und der Umwelt umgehen. Das gilt natürlich auch für Apple mit ihrem „Think different“ und so weiter.
Wenn bei VW mal ein Manager sitzen würde, der sich ernsthaft fragt, wie ein zukunftsfähiges Auto aussehen könnte, dann hätte VW eine Riesenmöglichkeit, den Markt dahingehend mitzubeeinflussen. Aber die fragen sich nur, was die Leute heute wollen, weil sie sich ein anderes Morgen gar nicht vorstellen können.

Das heißt, du stellst dir überhaupt kein Morgen vor, oder hast du doch eine ideale Vision von der Zukunft?

Also das Morgen ist anders als heute, und wenn es gut ist, dann ist es ein bisschen besser – ein bisschen sozialverträglicher. Gegenwärtig produzieren wir auf Kosten von allem Möglichen: auf Kosten anderer Menschen, auf Kosten unserer Zukunft, auf Kosten unserer Gesundheit. Ich kann nicht alle diese Probleme lösen, aber ich kann ein Produkt entwickeln, das nicht auf Kosten der Gesundheit der Konsumenten geht, und so wenig wie irgend möglich auf Kosten Anderer und der Umwelt.

„Das ist eine tolle Verbindung,
dass wir mit einem Produkt,
das im Körper wirkt, auch eine
Veränderung in der Gesellschaft
unterstützen können.“

„Das ist eine tolle Verbindung, dass wir mit einem Produkt, das im Körper wirkt, auch eine Veränderung in der Gesellschaft unterstützen können.“

Bildnachweis: INJU

Und wie stellst du dir die Zukunft von INJU vor?

INJU ist ein Transformationsprodukt, das heißt, wenn es erfolgreich ist, wird es sich zwar nicht auflösen, aber immer weniger genutzt werden: Wir wollen ja, dass sich die Leute aus der Natur versorgen und ein Gefühl für ihren Körper entwickeln. Ein eigenes Qualitätsmodell dafür, was ihnen gut tut und was nicht.
Was wir dann im Anschluss machen… INJU könnte auch eine Coachingmethode sein, oder etwas anderes Transformatives, das daran anknüpft. Die Natural Cell Tonics sind eine Bewusstseinsebene und es gibt mit Sicherheit irgendwann die nächste.

Wann macht dir INJU am meisten Spaß?

Einmal eben, wenn ich im Labor stehe und brauen kann. Zweitens, wenn ich sehe, dass Leute INJU kaufen: Ich mache ja immer gern Produkte, die noch keiner kennt, deswegen gibt’s am Anfang noch nicht so viele Leute, die sagen: Oh, endlich mal was ganz Neues, das finde ich toll, das probier’ ich sofort! Daher macht es mir Freude, wenn mein Produkt wo steht und die Leute es von selbst in die Hand nehmen und sich dafür interessieren.
Bei Bionade gab es einen Moment, da dachte ich, ok, jetzt wird es sich durchsetzen: Irgendwann hat jemand in einem Buch geschrieben, dass ein Typ in Berlin in eine Bar geht und sich eine Bionade bestellt. Und wenn ein Schriftsteller ein Buch schreibt und davon ausgeht, dass man auch noch in zehn Jahren versteht, was da steht, dann glaubt der tatsächlich, dass das Produkt Zukunft hat. Das hat mich total bestätigt.

INJU ist ja wieder ein Familienunternehmen, aber mit einer Familie, die du dir ein bisschen mehr ausgesucht hast, als du dir deine alte Familie aussuchen konntest. Bist du jetzt zum Regenten geworden?

Ich bin eher zum Mitarbeiter geworden. Es ist ein ganz anderes Arbeiten. Der Regent wird ja auch nicht immer gehört oder ernst genommen.
INJU ist vor allem eine sehr bunte Mischung aus jung und alt. Meine Herausforderung ist da vor allem – weil ich ja schon alles weiß und erlebt habe 😉 – mir dieses „Ich weiß ja schon wie’s geht“ nicht anzueignen. Mich auf das Neue einzulassen, das bei INJU jetzt geht. Was manchmal sehr einfach ist und manchmal auch sehr schwierig. Weil sich die Dinge weiterentwickelt haben, man Produkte anders vermarktet, Glaubwürdigkeit anders erzeugt wird. Es gibt jetzt Influencer, Social Media, oder DHL, das alles ermöglicht ganz neue Geschäftsmodelle. Insofern bin ich neben dem erfahrenen alten Hase auch jemand, der ganz neu naiv vor den Dingen steht und sich fragt, wie wir was für uns nutzen können.

Und hast zum Schluss als erfahrener Hase noch einen Ratschlag für uns?

Unerlässlich ist: Zeit, Länge und Energieaufwand spielen keine Rolle. Wie lange etwas dauert, ob es ein Umweg ist, ob es anstrengend ist, spielt keine Rolle. Wenn ich auf einen Knopf drücke und es passiert nichts, obwohl ich weiß, dass was passieren sollte, dann spielt das keine Rolle – ich bleibe so lange dran, bis es funktioniert.

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